Nicaragua – León

León

Nicaraguas zweitgrößte Stadt, León, liegt im Westen des Landes nicht unweit des pazifischen Ozeans und ist insbesondere hinsichtlich Dreier Dinge bekannt: die viele teilweise noch gut erhaltenen Bauten aus der Kolonialzeit (inkl. der ältesten Kathedrale Mittelamerikas), der Geschichte der Stadt als Hochburg der Liberalen gegenüber den Konservativen Eliten Granadas und der die Stadt umgebenden zahlreichen Vulkane!

Ich selber erreiche die Stadt erst sehr spät abends nachdem ich leider den erhofften Anschlussbus auf meinem Transfer vom Somoto Canyon nach León in der Nähe von San Isidro verpasse und auf teures privates Taxi ausweichen muss. Entsprechend bleibt nur noch Zeit für ein Abendessen und den Gang ins Bett.

Am nächsten Morgen begebe ich mich dann um 9 Uhr zum Büro meines gemeinnützigen Touranbieters Quetzaltrekkers (alle Gewinne werden an Bildungsprojekte für Kinder in Nicaragua gespendet) und fahre anschließend mit einer buntgemischten internationalen Gruppe auf der Ladefläche eines Lasters über eine sehr hügelige Piste zum Vulkan Cerro Negro.

Der Cerro Negro ist der jüngste Vulkan Mittelamerikas, der immer noch aktiv ist, in der Historie etwa alle 15 Jahre ausgebrochen ist, dies zuletzt 1999 tat und dabei die umliegende Landschaft mit einer teils meterdicken Schicht aus Asche bedeckt hat. Heutzutage wird der Vulkan aufgrund seiner Struktur (steile und überwiegend glatte Hänge) vor allem für das auch mich an diesem Tag dort erwartende Abenteuer genutzt: Vulcano Boarding!

Ein Prachtkerl bedeckt von seiner eigenen Asche
Blick auf den Krater des letzten Ausbruchs
Landschaftsaufnahme vom Rand des Kraters

Nach einem etwa 45-minütigen landschaftlich äußerst ansehnlichen und schönen Aufstieg mit unserem Equipment (Brett mit Seil zum Festhalten, dass als Schlitten fungiert; Schutzanzug; Handschuhe; Schutzbrille) zum Gipfel des Vulkans machen wir uns für die Abfahrt bereit.

Sobald ich mich sodann mit meiner nur geringen Ausstattung auf mein Brett gesetzt habe und den steilen Hang vor mir hinunterblicke, denke ich für einen kurzen Moment: „Oh mein Gott! Will ich das – auf einem einfachen Holzbrett mit kaum Schutz am Körper sitzend mit bis zu 95km/h einen 700 Meter hohen Vulkan runterfahren- wirklich tun?“ Nur Sekunden später nach den ersten paar Metern kenne ich die Antwort: „Wooohoo! Hell yes! Wie abgefahren ist das bitte?“… Zugegebenermaßen noch ein paar Sekunden später und vor allem kurz vor dem Ende meiner Abfahrt (leider bin ich nicht der talentierteste Vulkanschlittenfahrer) komme ich zweimal aus der Bahn und baue zwei Crashs – davon einen etwas mit Überschlag – bei denen mir aber zum Glück nichts weiter passiert!

Friss‘ meinen Staub
Abgefahren
Ein kurzes aber einmaliges Erlebnis

Als wohl der einzige Anbieter ermöglicht Quetzaltrekkers seinen Gästen auf der Tour vor dem Mittagessen (es gibt eine Art Burritobüffet) noch eine zweite Abfahrt vom Vulkan. Allerdings muss man dazu selbstverständlich noch einmal den 45-minütigen Weg zum Gipfel des Vulkans hinter sich bringen. Ich selber nehme diese Chance wahr, begebe mich aber ohne Board nochmal auf den Gipfel des Vulkans um diesen anschließend an der steilen Seite neben den Schlittenpisten runterzulaufen/ runterzuspringen. Dies macht unglaublich viel Laune, beschert einem mehr Zeit die wunderschöne Aussicht zu genießen und ist für Crashpiloten wie mich deutlich sicherer ;).

So unglaublich spaßig bei bester Aussicht

Abends treffen wir uns mit Teilen unserer Gruppe zum Sonnenuntergang am Lokal El Mirador und gehen anschließend zusammen Kebap essen. Nach ein paar Getränke – wie es sich für Nicaragua gehört Fleur de Caña Rum ~ und sehr netten Gespräche in einem Park testen wir dann das Nachtleben der Unistadt León aus und feiern bei Live Music im Via Via Hostel. Auf dem Rückweg stärken wir uns noch mit Streetfood an der Kathedrale.

Yammiii

Den nächsten Vormittag nutze ich dann für eine Stadterkundung bei gefühlten 40 Grad (die Stadt ist für ihre Hitze bekannt) und bewundere einige nette Kolonialbauten (teils noch von Zeiten des Bürgerkriegs beschädigt/ zerstört) und Kirchen. Ein berühmtes Highlight der Stadt ist das komplett weiße Dach der Kathedrale.

Hinten im Bild die weltbekannte Kathedrale
Vermutlich das einzige weiße Dach der Stadt

Anschließend besuche ich das Museo de la Revolucion in der Nähe der Kathedrale, wo ich aus Zufall auf einen der Kanadier treffe, die ich mit Lüdi zusammen in Monteverde Costa Rica kennengelernt hatte. Der Besuch des Museums ist der absolute Hammer, da uns unser Guide – in gebrochenem Englisch und viel Spanisch – eindrucksvoll von der zerrütteten Geschichte des Landes und der zahlreichen bewaffneten Konflikte (vor allem gegen die Somoza-Diktatur) innerhalb derer León häufig als Hochburg der Liberalen Rebellen eine wichtige Rolle einnahm berichtete. Er selbst kämpfte auf Seiten der Rebellen, verlor während der Kämpfe seine gesamte Familie und wurde für über 3 Woche unter Folter gefangen gehalten. Vor allem sein Satz „Ich hatte keine Kindheit! Für mich gab es nur Krieg und Revolution!“ ist mir dabei im Gedächtnis geblieben.

Und wieder einmal stelle ich fest, wie unglaublich gut es uns in Europa und Deutschland geht

Am Nachmittag werde ich von meinem Touranbieter für den sogenannten „Sunset Telica Hike“ abgeholt. Nach einer erneuten sehr ruckeligen Anfahrt besteigen wir in gut 45 Minuten den Vulkan. Kurz vor dem Erreichen des Kraters des noch aktiven Vulkans beißen die schwefeligen Dämpfe schon sehr ordentlich in Nase und Mund.

Mal zur Abwechslung ein recht einfacher Weg hoch zum Gipfel des Vulkans
Nun verstehe ich warum die meisten Todesopfer bei Vulkanausbrüchen auf die giftigen Dämpfe zurückzuführen sind

Nach nur einem kurzen Aufenthalt am Krater (man kann aufgrund der Dämpfe kaum etwas sehen) laufen wir zu einer in der Nähe befindlichen Fledermaushöhle.

Die Höhle nennen hunderte Fledermäuse ihr zuhause

Anschließend genießen wir einen wundervollen Sonnenuntergang mit einem beeindruckend schönen Ausblick auf die umliegenden anderen Vulkane.

Dramatisch…
… oder farbenfroh!

Sobald die Sonne dann ganz am Horizont verschwunden ist, geht es noch einmal zurück zum Krater des Vulkans und wir können dank der einsetzenden Dunkelheit die Lava im Krater sehen.

Nach der Tour gibt es dann noch ein gemeinsames Bierchen im Via Via.

Um 1:30 erwartet mich dann mein Transfer nach El Tunco in El Salvador.

Fazit

León gehört definitiv auf jede Reiseroute durch Nicaragua. So ist die Stadt inklusive des Museums wirklich ansehnlich und das Angebot an Touren in der Umgebung der Stadt sehr lohnenswert… und wo sonst kann man bitte auf einem aktiven Vulkan Schlittenfahren!

Tipps

  • Vor Ort wurde mir von vielen der Guided eine Wanderung mit Übernachtung auf den El Hoyo Vulkan empfohlen. Leider hatte ich selber dafür nicht genügend Zeit eingeplant.
  • Wenn möglich bucht Eure Touren mit Quetzaltrekkers! Die Touren sind qualitativ ebenso hochwertig wie von anderen Anbietern und ihr unterstützt gleichzeitig Gutes!
  • Wer eine Abkühlung von der Hitze der Stadt braucht, findet diese nur eine kurze Busfahrt entfernt am Strand von Las Penitas. Manche Touranbieter (Bigfoot Hostel) bieten euch bei Buchung von Touren mit Ihnen einen kostenlosen Transfer dorthin und Übernachtung im Schwesterhostel vor Ort an.

Anreise

Wie einleitend beschrieben erreiche ich León nicht wie ursprünglich geplant per Bus ab San Isidro, weil ich dort anscheinend zu spät ankomme (wenn ich die Einheimischen richtig verstehe, verlässt der letzte Bus San Isidro nach León gegen 17 Uhr), sondern per teurem privatem Taxi. Tatsächlich das erste Mal (mal von den Flugverspätungen abgesehen) auf meiner Reise, dass ein Transfer nicht wie geplant funktioniert.

Unterkunft

Die Nächte in León verbringe ich im xyz Hostel. Ehrlicherweise ist das Hostel mir weder positiv noch negativ in Erinnerung geblieben. Die Atmosphäre vor Ort war sehr kühl und entsprach meines Erschtens nicht so recht dem beworbenen besonderen familiären Flair.

 

 

Aufenthalt: 13.04.2018 – 14.04.2018

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